“This will be our reply to violence: to make music more intensely, more beautifully, more devotedly than ever before.”

1. Babystrich: Das Lied wurde anlässlich eines “Christiane F.” Abends mit selbst inszeniertem Theaterstück in Berlin komponiert. Hier hört man zum ersten Mal Brezel, der für seine tiefe Crooner-Stimme bekannt ist, wie ein Disko-Girl singen. Am Dialog nehmen teil: Gina v. d’Orio, Sängerin der Band “Cobra Killer”, Diana Dart, berühmt für ihre Voodoo-Puppen und Rosa, der einmal vorhatte, Bürgermeister von Kreuzberg zu werden.

2. Do the Bambi: ein Meisterwerk minimalistischer Gestaltung und ein faszinierendes Beispiel für das ebenso schlichte wie eindrucksvolle Design der ersten digitalen Medien. Die Casios wissen alles. Ansonsten geht es im Text um eine traurige vergangene? Liebesgeschichte und um den Versuch einer Versöhnung.

3. Ich bin nackt: ist eine amüsante Anekdote aus dem Alltag eines Paares. Das Lied wurde von dem Feydeau-Boulevard-Stück inspiriert: “Aber spaziere doch nicht immer nackig herum!”

4. Cinemania: Dieses Lied wurde für den gleichnamigen Dokumentarfilm von Angela Christlieb und Stephen Kijak komponiert. Es ist eine Hommage an einige der großartigen Schauspieler/innen und Regisseure/innen der Filmgeschichte.

5. Vive le week-end: Wie ein paar andere Stücke auf dieser CD wurde dieses als akustische Illustration des Godard-Films “Week-end” aufgenommen. Children of the future: Babies lieben das Lied.

6. Das erste Mal: Hier haben wir es mit einem absolut reduzierten Liebessong zu tun. Es bleibt nur noch ein leichter Sound, ein Hauch von Glück. Und es ist ein Duett, das “I got you babe” des Jahres 2005.

7. La douce humanité: eine makabre, realistische Vision der Welt. Nirgendwo kann Françoise “die sanfte Menschheit” sehen. Auch musikalisch geht es hart zur Sache.

8. Les lapins: ist ein Kaninchenlied über Kaninchen und für Kaninchen. Es ist ein richtiges Chanson, dessen Text auf das Wortspiel beruht: “Mon lapin/ poser un lapin” (“Mein Häschen/ einen Korb geben, jemanden versetzen”)

9. Hunger!: Es geht um unerträgliche Sehnsucht und Ersatzbefriedigungen, womöglich um Bulimie. Der Junge, der in der Mitte des Liedes kreischt ist Hawnay Troof aus San Francisco, erst 19 Jahre alt und schon total verrückt.

10. Ne m’appelle pas ta biche: Nenn mich nicht dein Reh! Don’t call me Sweet heart! Stereo Total als Rebellen des Minimal-Rock.

11. Orange mécanique: Feministische Version von “Clorkwork Orange”, in dem Frauen nur als Opfer vorkommen. Françoise hält sich für Alex und erfindet neue Drogennamen. Und es gibt einen Thereminsolo.

12. Tas de tôle: Hier ebenfalls handelt es sich um ein Stück, das zu “Week-end” von Godard komponiert wurde. Der Film beinhaltet die längste Kameraeinstellung der Kinogeschichte: eine endlose Straße, auf der Verkehrschaos stattfindet, Stau, Unfälle, Blut, Beschimpfungen, Blechhaufen …

13. Europa neurotisch: Alle meckern gegen Amerika. In ihrer Bescheidenheit und “mea culpa”-Haltung zählen Stereo Total die Psychomacken der Europäer auf. Müsste ein Hit in Texas werden!

14. Partymädchen, gefoltert: Dieses Lied wurde ursprünglich für das Hörspiel “Autobigophonie” aufgenommen, das vom Bayerischen Rundfunk produziert wurde. Spaß hatten sie sichtlich beim Foltern: Gina v. d’Orio, Deborah Schamoni, Felix Kubin, Chrise Imler, Patric Catani, Frederik Schikowski, Halloween Jack, alle haben ihre dummen Fragen gestellt. Aber auf dem Vinyl sind sie rausgeflogen und wurden ersetzt durch das viel gesündere Lied “La Gymnastique”.

15. Cannibale: Ein Feuerwerk an Reimen, alle Wörter enden mit “ale”, und der Ehemann in den Kochtopf. “Ich verehre dich, ich fresse dich auf!”, ja so kann es auch enden.

16. Helft mir: wurde ebenfalls für das “Autobigophonie”-Hörspiel komponiert. Ein Lied über Liebestrauer. Musikalisch wurde hier ebenfalls mit Entbehrungen und Mangelerfahrungen gearbeitet: Als Stereo Total das Stück aufnahmen, wurde ihnen klar, dass man sehr wenig durch fast nichts ersetzen kann.

17. Mars Rendezvous: wurde von dem französischen Musiker und Sänger Jacno komponiert, einer Legende aus den 80er Jahren. Hier singt er zum ersten Mal auf Deutsch, im Duett mit Françoise. Da er seine erste Deutschlektion bei ihr erhielt, hat er auch so einen petit Accent.

18. Troglodyten: Hier kommt es zur wahren Botschaft des Albums: “Musik ist unsere Freundin, nie möchten wir sie vermissen.” Und es folgt die Coverversion:

19. Chelsea girls: ursprünglich von Nico gesungen, in einer schnelleren, irreführenden Version, live und sehr minimalistisch aufgenommen, Brezel Göring spielt Moog-Synthesizer, Françoise Cactus singt. Und am Ende klingt das Theremin wie eine Opernsängerin, die gleich in Ohnmacht fällt.

Was die Band während all diesen Aufnahmen dachte: Die Platte wird besser, wenn man jedes Lied mitpfeifen kann. Pfeift ihr darauf oder pfeift ihr mit?