“This will be our reply to violence: to make music more intensely, more beautifully, more devotedly than ever before.”

Dieses Mal haben sie auf sich warten lassen, aber auf ihrem neuen Album gibt es reichlich Stoff zu hören: 19 Songs – 20 mit dem versteckten Track. Stereo Total, das ist dieses deutsch-französische Berliner Garage-Rock a Billy-Elektonik/ non Elektronik Duo bestehend aus Françoise Cactus und Brezel Göring. Von Brezel weiß man, dass er nie schläft, keine Drogen zu sich nimmt, weder Alkohol noch Kaffee trinkt und zwei uneheliche Kinder hat. Er rühmt sich, den Frauengeschmack eines Lastwagenfahrers zu besitzen. Das stimmt allerdings nicht, denn seine Freundin ist Francoise Cactus, Romanautorin, Künstlerin, sie hat 23 Bücher geschrieben und ist eine hoch bezahlte Kolumnistin. Sie stammt aus der “girl garage” und “psychedelic”-Ära der 80er Jahre, er gilt als “experimentell”.
Wo wurde die Platte aufgenommen? Im Übungsraum und im Schlafzimmer. Die beiden haben alles alleine aufgenommen: Menschen um Rat zu fragen ist im allgemeinen ziemlich unnötig. Dennoch hörten sie auf die weise Stimme ihres Produzenten Cem Oral: “Gebt nicht auf, bevor ihr fertig seid!”
Homerecording-Folklore in einer technisch weitgehend immaterialisierten Welt. Aber (O-ton Brezel Göring): “Wir wollen wenigstens soviel Technik haben, dass wir die Technik hassen können.”
Was ist daraus geworden? “Künstliche Mädchenmusik?” Romantik, Anarchie, Glück und Trauer. Intim, intensiv, amüsant, rührend, wütend, explosiv: Stereo Total – gefangen im Teufelskreis von Höchstgeschwindigkeit und “J’aime les grandes émotions”- was wiederum zu noch mehr Geschwindigkeit und Emotionen führt.

Was ist das besondere an diesem Album? Nach dem Cover zu urteilen ist es eine Mischung aus Kitsch und Kaputtsein. Die Platte beschäftigt sich intensiv mit Filmgeschichte und Liebessehnsucht. “Do the Bambi” bedeutet soviel wie “Zeig deine schönen Augen unter deinen langen Wimpern und rette mich aus dem Inferno meines Egos und der tristen gemeinen Welt!”